Der Schinkelbau

Wo jetzt die schöne Kirche von der Höhe grüßt war nicht immer der Platz des Gotteshauses von Krummöls. Die ursprüngliche Kirche des Dorfes stand am Ortseingang. Wenn man von Liebenthal die Chaussee entlang kam, so lag sie gleich zu Beginn des Ortes direkt zur Linken. Hiervon zeugt heute nur noch die Ruine des Kirchturms, den sie den alten Turm oder Mäuseturm nennen. Mehr ist nicht geblieben. Es war in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts, als die alte Kirche Opfer eines verheerenden Unwetters wurde. Im ganzen Dorf wurden Dächer abgedeckt und Bäume entwurzelt. Auch die Kirche ließen die Kräfte der Natur nicht ungeschoren. Lediglich der Kirchturm konnte den Naturgewalten die Stirn bieten. Aber eine Gemeinde ohne Gotteshaus war keine Gemeinde. Und zur heiligen Messe nach Liebenthal zu gehen war den Krummölsern schon als Gedanke mehr als fremd. Es wurde unverzüglich der Bau einer neuen Kirche beschlossen. Als Standort wählte man nach langem Streiten und Diskutieren die Anhöhe in der Mitte des Dorfes aus. Dies hat jedoch einige Zeit und Mühe gekostet, ehe man sich darüber einig wurde. Ganz bemerkenswert ist jedoch die Hilfe der Einwohner bei der Errichtung der neuen Kirche. So manche Fuhre Baumaterial wurde unentgeltlich von den Dorfbewohnern beschafft. Der Neubau nahm lange Zeit in Anspruch und dauerte von 1833 bis 1838. Im Mai 1838 endlich konnte die Kirche eingeweiht werden.

Von niemand geringerem als dem großen preußischen Baumeister Schinkel stammt der Entwurf für die Kirche. Trotz ihrer Schlichtheit als einfache Dorfkirche drückt sie doch auch die Erhabenheit weit größerer Kirchen ebenso aus. Wenn man den Vorraum der Kirche betritt, so fällt sofort die weisse Gedenktafel aus Marmor an der linken Seite auf. Sie ist aus der Zeit, als die Bewohner noch deutsch sprachen und wurde zu Ehren der gefallenen Soldaten des Dorfes aus dem ersten Weltkrieg dort angebracht. Es steht ein frischer Strauss Blumen davor. Man hat die Ehrentafel in der Kirche nicht entfernt, obwohl die Deutschen fort waren. Sie werden noch heute geehrt, die Toten.
Lenkt man seine Schritte weiter nach vorne Richtung Altar, öffnet sich aus der Enge des Vorraumes die Kirche dem Auge des Betrachters. Sie ist ganz in weiss gehalten. Auch die Bänke für die Gläubigen sind mit weisser Farbe gestrichen. Nur der bunt gemusterte Läufer, der den Mittelgang entlang bis nach vorne zur Kommunionbank liegt, will nicht so recht ins Bild passen.

Wenn man etwas genauer hinsieht, so bemerkt man es deutlich, trotz aller rührender Bemühungen: Es steht nicht mehr so gut um die kleine Kirche. Die Orgelpfeifen, die sich so prächtig beim Blick aus dem Kirchenschiff nach oben präsentieren, sind nur schöner Schein. Steigt man die steinernen Stufen hinauf zur Empore, so entpuppt sich die Orgel als potemkinsches Dorf. Sie sind sorgfältig auf Holzpaneele aufgemalt, die Orgelpfeifen. Das hat Boguslaw Onsowicz aus dem Niederdorf gemacht. Die Dörfler konnten es nicht ertragen, keine funktionierende Orgel mehr zu haben. Deshalb haben sie sich eine gemalt. Die Gemeinde singt zur Begleitung von einem elektrisch betriebenen kleinen Harmonium, welches durch Lautsprecher verstärkt von oben herab erklingt.

nn die Krummölser aus dem Dorf zu Ihrem Kirchturm schauen, so können sie nicht mehr, wie früher, aus der Ferne sehen, welche Uhrzeit es ist. Der Kirchturm hat keine Zifferblätter mehr. Auch schlägt keine Glocke mehr die Stunde. Das Kirchendach ist undicht und bedarf dringend der Erneuerung.
Dem Kreuz, dass den Kirchturm krönen soll, hat mittlerweile arg Sturm und Wind zugesetzt, so dass es eine gehörige Schieflage bekommen hat. Der stolze, erhabene Eindruck aus der Ferne schwindet, je mehr man sich dem Gotteshaus nähert.
Aber sie hält sich tapfer, die Kirche von Krummöls, will sich nicht dem Zahn der Zeit beugen. Sie hat so viel ertragen und aushalten müssen. Sie wartet auf bessere Zeiten. Sie hofft und weiss, dass es nicht vergebens ist. Der Tag kommt, wo ihr wieder aufgeholfen wird, damit sie noch lange weit ins Land hinein grüßen kann und die Gläubigen sich in ihr versammeln können. Damit sie dort ihr Haus haben, um zu taufen, zur Kommunion zu gehen und wenn es dann soweit ist, der letzte Gang aus ihr heraus getan werden kann.
Was ist, ihr alten Krummölser, hört ihr eure Kirche nicht rufen? Hat sie euch nicht immer treu gedient? Habt ihr das Angelusläuten vergessen, dass euch auf den Feldern den Mittag verkündet hat? Und wenn ihr aus der Fremde heimwärts gezogen seid, hat sie euch nicht schon von weitem gekündet, bald seid ihr zu Hause? Ist es nicht endlich an der Zeit ihr wieder aufzuhelfen, damit sie wieder strahlend schön wird, wie es ihr gebührt durch alle Zeiten...?
Die Krummölser Kirche - heute
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Die Bilder stammen von dem jungen Fotografen Sławomir Wożnica aus Liebenthal. Sie sind im Jahr 2010 entstanden. Sie geben einen schönen Eindruck von der einfachen, aber würdevollen kleinen Dorfkirche in Schlesien.
Krummöls/Schlesien
