Dies und das aus dem alten Krummöls
Den folgenden Beitrag hat die Ida Lange aufgeschrieben. Er wurde schon einmal 1982 in den Heimatblättern veröffentlicht. Es ist ein schönes Beispiel für schlesische Fantasie und Humor.
Benno und Ida Lange wohnten, nachdem sie ihre Heimat verlassen mußten, am Niederrhein. In Krummöls waren sie im Niederdorf zuhause.
Von Ida Lange
Wenn Namen doppelt oder dreifach vorkamen...
Unser Dörfchen Krummöls zog sich vom Bahnhof Liebenthal bis auf die Niederwiesen hin, in einer Länge von 4 Kilometern. Weil viele Familiennamen der Dorfbewohner doppelt oder dreifach vorkamen,
wurde manchem Namen etwas angehängt. Entweder war der Beruf dabei, der Name des Urgroßvaters oder des früheren Besitzers. Viele hörten es nicht gern, aber es waren ja keine Schimpfnamen.
Ich wandere jetzt die Dorfstraße hinunter und die Gassen hoch: Nach links hat der Ort drei Ausläufer, die man „Viebch" (Viehweg) nannte. Im vordersten Haus am Ober-Viebch wohnt früher der Florian,
weiter hinten der Nachwächter. Rechts der Straße woarsch bei Mühlpäalzern, beim Turmschuster und beim Raiffaisenschulz (Neewohr-Franz). Den Weg runter über die Brücke kam man zu Mühlstelzern
(Milchhelbig) und zu Raus-Stelzern, später Gurkenseifert.Vom Berghof runter am Ölsebach woarsch früher bei Langa Seffa (Knoblich Heinrich), über die Straße rüber beim Kirchabrückser. Uffs Feld zu
woarsch bei Uscha-Langa und bei Gärtner-Stelzern (Wolscht); links von der Straße der Hübner-Sattler, a Stück wetter früher bei Glaza-Rus (Glaubitz), vorher ging ein Steg übern Bach zum
Steenrückschuster und links beim Michel-Schuster. Vu der Gückelmühle aus ging’s uff a Mittel-Viebch, do woarsch bei Mühl-Knoblicha, und auf der Stroasse beim Schindler-Stellmacher, dann beim
Scheunla-Steinert und beim Plumpa-Neuma. Dann rechts uba beim Friedrich Bittner, anschließend bei Schulza-Wäabern bei Mühl-Langa und links naus ging’s zu Steuer-Seifert. Rechts vu der Kirche woars
beim Kirchvoater Dirch und beim Licht-Steinert (Punkt-Neun).
Zurück uf die Stroasse Heller- Pächter, Mittel-Schmiede, Wacha-Stellmacher und bei Taua-Langa. Dann rechts bei Rennersch-Coaspern, bei Spritza-Nergern, bei Schwäanze-Gustave und beim Guldhalbch.
Dahinter bei Wäanza-Korln wetter nunder bei Getreide-Rennern und drüber bei Saleßa, später bei Pulta (Korf).
Am Ende woarsch bei Wiesa-Güttlern, bei Halbchs-Hübnern und bei Halbchs-Micheln.
Nu uf die andere Seite: Do fängt’s oa bei Wiesa-Langa, bei Summersch-Rennern, bei Windmühl-Reimann und bei Hoasa-Schustersch-Seff.Wetter nuff beim Titz-Stellmacher, bei Reimas-Päalzern, bei Mühlseffa
und bei Heller-Mäuern.Dann bei Hens-Heller und bei Pauer Knoblicha, wettern uff bei Biemscha-Knoblicha und links beim Plumpa-Glatz (Wolscht), dann die Gossa nuff bis zu Room-Kaiser, hinterm Pauer
Dirch woarsch früher bei Junka Laura (Knoblich), als letztes bei Schwäanza-Anna, bei Maneln (Schönwald) und hinten bei Mathilde-Amand (Knoblich).
Der folgende Beitrag ist von Rita Overkamp. Rita Overkamp ist eine Enkelin vom Milch-Halbch, also vom Milchbauer Helbig aus dem Oberdorf.
Von Rita Overkamp
Krummölser Dorflied
ich habe im Nachlass meiner Oma Agnes Niering gestöbert(+1987) und etwas Interessantes gefunden. Es ist ein umgedichtetes Heimatlied, was die Krummölser wohl bei ihren Dorffesten gesungen haben.
Derheem
(von Bernhard Gottwald)
Auf die Melodie: O wie is die Heemte doch su wunderschien
Wu der ahle Turm stieht ei vertreemter Ruh,
Wu am Wehr does Wosser plitschert immerzu,
Wu wie die Beehm mir mit der Erd verwachsa woarn,
Unsere Väter treu, gesät, geerntet hoan,
Wu uns Kirch an jeden grißt; weit über Berg an Toahl,
An wie die Bimmelboahn toat ruff an nunger foahrn.
Koam doas Frühjuhr roa, do freat sich gruiß an kleen,
Koama die Store an die Schwolba heem
S’ging uff die Felder naus mit Vieh an Ackerzeug
Wurd ei der Els dinnuff wieder die Stroße troich,
Wenn’s ei olla Ecka blühn an singa toat
an obends heimlich ich mich mit der Liebsta troaf.
Möchte Sunntags früh nuch mol su giehn a Kirchberg nuff
hierhrn’d Glocka läuta, seahn die Kinder kumma die Stuffa ruff
wenn überm Durfe loag ei schönster Maienpracht,
Unser Kirchweihfest-stiller Feiertag
Musik an Foahna, ach woas wird sich moncher frean,
Wenn mir dort uns oalla teata wieder seahn
Ei die Kirch nei giehn, im Hergott olles soin
uff a Kirchhof, uff a Groab a Bliemla treun
Nuch amo zu Pfingsta ei die Lielja giehn
uff Scheffers Berg naus ei a Weda stiehn
an über Krummels a su drieber nieber seahn
an mich dann eis huche Greos nei leahn
Joa kee su a Platzerl find ich nimmer mehr
teat ich durch Länder wandern ziehn weit übers Meer
Freud und Leid löscht in der Fremde nie dei Bild mir aus
emol dich wiederseahn, Heimat lieb und traut
Deine Felder, Wälder, Wiesen, Berg an Toal
Wu treue Wache hält der Rübezoahl
Krummöls/Schlesien
